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Historie ab 1990

Die veränderten Rahmenbedingungen für eine Flugabwehr nach Ende des Kalten Kriegs mündeten in der Ausarbeitung der Luftwaffenstruktur 4, deren Einnahme ab 1993 begann. Der bisherige Auftrag der Flarak sowie deren Dislozierung hatte sich mit dem Fall der Mauer schlagartig überholt. Ferner galt es, die Personalstärke der Bundeswehr von nahezu 500.000 Mann auf 370.000 Soldaten zu reduzieren und die 100.000 Soldaten starke NVA in die Bundeswehr zu integrieren.

Die Luftwaffenstruktur 4 bedeutete auch tiefgreifende Änderungen für Delmenhorst als FlaRak-Standort. In erster Konsequenz wurde die Personalstärke der FlaRak-Verbände halbiert und drei HAWK-Geschwader aufgelöst. Von der Auflösung betroffen war auch das FlaRakG 35 in der Kaserne. Die offizielle Außerdienststellung erfolgte am 31. Dezember 1992. Die 4 Staffeln des Geschwaders wurden jeweils als 5. und 6. Staffel an das FlaRakG 31 und 38 abgegeben und im Laufe des Jahres 1993 aus der Kaserne abgezogen.

In zweiter Konsequenz sah die neue Struktur vor, die PATRIOT-Geschwader in Gruppen umzuwandeln. Dies betraf das hiesige FlaRakG 24 sowie das Barnstorfer FlaRakG 25 mit der in der Caspari-Kaserne stationierten 5. und 6. Staffel. Dies geschah zum 1. Januar 1993. Die neue FlaRakGrp. 24 sollte Luftverteidigungsaufgaben in den neuen Bundesländern übernehmen und - sobald dort geeignete Infrastruktur geschaffen war - die Verlegung dorthin erfolgen. Zunächst wurden jedoch die einzelnen Staffeln zusammengeführt und auf dem freigewordenen Fliegerhorst in Oldenburg zwischenstationiert. Die 5./ und 6./FlaRakGrp 25 wurden auf den Fliegerhorst in Ahlhorn verlegt.

Die auf der Hardthöhe getroffenen Entscheidungen beinhalteten allerdings auch das Aus für die Caspari-Kaserne. Sahen die Planungen zunächst noch eine militärische Nutzung der Anlage bis Mitte/Ende der 1990-er Jahre vor, kam das Ende umso schneller. Am 26. Januar 1994 verabschiedeten sich 450 Soldaten der FlaRakGrp. 24 und 25 mit einem dreifachen "missile away" vom Standort und der Kaserne. Im Beisein von Generalmajor Jürgen Höche, Kommandeur der brandenburgischen 5. Luftwaffendivision, zu der die FlaRakGrp. 24 jetzt gehörte, übergab Kommandeur Oberstleutnant Egon Harms symbolisch den Schlüssel der Kaserne an Friedrich Niemeyer, Chef der Standortverwaltung in Delmenhorst. In den Wochen zuvor versah lediglich ein Restkommando von ca. 25 Soldaten in der Kaserne seinen Dienst. Die Buchstaben vom Schriftzug an der Kaserne wurden als Erinnerung an die Stadt übergeben. Der Bereich der Standortverwaltung wurde auch nach der Schließung der Kaserne weiterhin von der Bundeswehr genutzt.

Zum Zeitpunkt der Schließung gab es bereits Verhandlungen der Stadt mit Bund über eine Nachnutzung des 33 ha großen Areals. Eine zügige Nachnutzung des Areals konnte jedoch nicht erreicht werden. Zwischenzeitlich wurde Block 32 vom 1.8.1992 bis ca. 1995 als Flüchtlingsunterkunft genutzt. Im Sommer 1998 gab es zumindest eine Lösung für den T-Bereich im Süden des Areals und den noch von der Bundeswehr vor dem Abzug sanierten Sportplatz. Die Stadt kaufte für 990.000 DM das 5,1 ha große Gelände, um in den Bundeswehrbauten den städtischen Bauhof unterzubringen. Im Jahr 2000 schließlich begannen die Bauarbeiten, erhalten geblieben sind die Gebäude 44-51 sowie Gebäude 54. Mitte 2001 wurden die ersten Gebäude bezogen.

Im Jahr 1998 schien endlich ein Investor gefunden, der das Gelände für 8 Mio. DM vom Bund kaufen und zu einem Wohngebiet entwickeln wollte. Wider Erwarten zerschlug sich das Vorhaben, allerdings kaufte zwei Jahre später (2000) schließlich ein lokaler Bauunternehmer das Gelände für 6 Mio. DM. Auch diese Pläne sahen die Entwicklung eines Wohn- und Gewerbegebiets vor - einhergehend mit dem Abbruch fast aller Bauten. Die Abrissarbeiten begannen im Oktober 2000 im Norden des Geländes und wurden ein Jahr später, im November 2001 mit dem Abbruch des Trafohäuschen an der Wache Flarak 24 (Geb. 22a) abgeschlossen. Gebäude 6 (alte Waffenmeisterei) und die ehemalige Exzerzier- und spätere Turnhalle wurden unter Denkmalschutz gestellt, die Entscheidung für die Turnhalle kurze Zeit jedoch aufgrund der zentralen auf dem Gelände wieder rückgangig gemacht. Folglich blieb nur die Waffenmeisterei vom Abriss verschont. Die Reliefs über den Eingängen der beiden alten Wirtschaftsgebäude wurden gesichert und sind seit Juni 2001 im Stadtmuseum zu sehen.

Zum 1. Januar 2003 wurde die im Ostteil des Kasernengeländes verbliebene Standortverwaltung Delmenhorst aufgelöst. Seitdem wird der Standort von der Außenstelle Delmenhorst der BwDLZ Oldenburg betreut. Mit der Auflösung verbunden war auch die Freiziehung dieses letzten Teils des Kasernengeländes. In Benutzung waren bis Oktober 2004 noch die Gebäude 40 (ehem. Offiziersheim) und 56 (Standortbekleidungskammer). Halle 27 mit ihrem Büroanbau wurde im September 2004 abgerissen, Gebäude 38 (ehem. Bauernhaus) und 40 sowie Baracke III im Frühjahr 2006. Verschont wurde zunächst das Bürogebäude der StOV (Nr. 39), ehe es im Januar 2008 das gleiche Schicksal ereilte. Erhalten geblieben sind somit im ehem. StOV-Bereich nur das Gebäude der Bekleidungskammer, welches zu einer Seniorenresidenz umgebaut wurde, und die Fahrzeughalle der StOV (Geb. 37), welches nach wie vor als Halle genutzt wird.

Problematisch gestaltete sich die Nachnutzung der unter Denkmalschutz stehenden Waffenmeisterei. Nachdem sie über viele Jahre hinweg zusehends verfiel und zwischen Dezember 2004 und Januar 2005 Unbekannte nahezu sämtliche Innenmauern des Gebäudes niederrissen, wurde 2008 überraschend der Denkmalschutz aufgehoben und das Gebäude im Sommer des Jahres abgerissen.

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Letzte Änderung: 16.10.2011
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