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Munitionsdepot und Übungsgelände Schlutter

Ca. 1 km südwestlich der Caspari-Kaserne befindet sich das ehem. Munitionsdepot Schlutter. Die folgende Darstellung der geschichtlichen Entwicklung des Militärgeländes in Schlutter wurde von Karl Müller verfasst - vielen Dank an dieser Stelle für die Bereitstellung.

Militärgelände in Schlutter

Um die Wirtschaftskraft in Delmenhorst zu erhöhen, bemüht sich die Stadt Delmenhorst um eine Garnison. Am 2. November 1934 wird ein Vertrag zwischen der Stadt Delmenhorst und dem Reichsfiskus unterschrieben, wonach das Deutsche Reich nach Delmenhorst eine Garnison - bestehend aus einem Infanterie-Bataillon - legen will. Für diesen Zweck ist unter anderem ein Gelände von etwa acht Hektar westlich des Waldes nördlich Schlutter zur Anlage von Schulschießständen zur Verfügung zu stellen.

Aufgrund des Vertrages vom 2. November 1934 - Garnisonsvertrag genannt - werden bis zum Jahr 1938 Schießstände angelegt, Munitionsbunker gebaut, ein Dienst-/Wohngebäude und ein Stall-/Waschküchen- und Garagengebäude als Fachwerkhäuser errichtet. Das Erdgeschoß des Hauptgebäudes ist als Unterkunft für die Wachmannschaft mit einem Wachraum vorgesehen. In das Obergeschoss zieht ein ziviler Feuerwerker, der gleichzeitig Verwalter des Munitionslagers ist, ein und wohnt dort mit seiner Familie (6 Personen) bis zum Jahr 1954 bzw. 1959. Im Erdgeschoss befinden sich fünf Räume und zwei Toiletten-/Waschräume für die Wache, im Obergeschoss acht Räume und ein Toiletten-/Waschraum.

Nach dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945) finden Flüchtlinge und Heimatvertriebene aus Schlesien - unter anderem aus Bunzlau, Strehlen und Friedrichstein - im Hauptgebäude, im etwa 100 Meter entfernt liegenden Lagerschuppen und in den Munitionsbunkern eine Bleibe. Die Raumhöhe in den Bunkern beträgt 230, die Wandstärke 35 und die Deckenstärke 40 Zentimeter. Als die britischen Streitkräfte in Schlutter Munition lagern wollen, müssen die Heimatvertriebenen die "Bunker-Wohnungen" in den Jahren 1950/51 aufgeben.

Ende 1958 übergeben die britischen Streitkräfte Teile der Militäranlage der Bundesvermögensstelle in Oldenburg. Der Rest folgt bis Dezember 1964. Das inzwischen über 14 Hektar große Militärgebiet wird jetzt von der Bundeswehr als Standort-Munitions-Niederlage genutzt und im Hauptgebäude die Wache untergebracht. Ende 1975 erfolgt die Auflösung - Munitionsbunker, Nissenhütten und Wachgebäude werden geräumt.

In den nächsten sechs Jahren wird das ehemalige Dienst- und Wohngebäude nur noch gelegentlich - und das auch noch sehr zu seinem Nachteil - als Biwakgebäude von übenden Truppen benutzt. Witterungseinflüsse (Regen) richten im Haus erhebliche Schäden an.

Ab 1. Februar 1982 erhält die Katholische Pfarrgemeine Allerheiligen in Delmenhorst von der Standortverwaltung Delmenhorst einen Nutzungsvertrag für das Fachwerkhaus einschl. des Nebengebäudes. Nach der Grundsanierung durch Mitglieder der Pfarrgemeinde Allerheiligen wird die Anlage als Begegnungs- und Freizeitstätte genutzt.

Ab 2. Juli 1988 wird das ehem. Stall-/Waschküchen- und Garagengebäude abgetragen und bis Oktober des selben Jahres auf dem inzwischen von der Pfarrgemeinde Allerheiligen gekauften 6412 Quadratmeter großen Grundstück als Kapelle wieder aufgebaut (Einsegnung 16.10.1988).


Karl Müller. Delmenhorst, November 2010


Fotos des Wach- und des Nebengebäudes, aufgenommen Anfang 1982

Eingangsbereich mit Wache und Wirtschaftsgebäude
Eingangsbereich mit Wache und Wirtschaftsgebäude
Detailansicht Wachgebäude
Detailansicht Wachgebäude
Detailansicht Wachgebäude
Detailansicht Wachgebäude
Außenansicht Wachgebäude
Außenansicht Wachgebäude
Außenansicht Wachgebäude
Außenansicht Wachgebäude
Wachgebäude (rechts) und Wirtschaftsgebäude (links)
Wachgebäude (rechts) und Wirtschaftsgebäude (links)
Wachgebäude (rechts) und Wirtschaftsgebäude (links)
Wachgebäude (rechts) und Wirtschaftsgebäude (links)
Detailansicht Wirtschaftsgebäude
Detailansicht Wirtschaftsgebäude
Erdgeschoss
Erdgeschoss
Erdgeschoss
Erdgeschoss
Erdgeschoss
Erdgeschoss
Erdgeschoss
Erdgeschoss
Erdgeschoss
Erdgeschoss
Erdgeschoss
Flur im Erdgeschoss
Flur im Erdgeschoss
Erdgeschoss
Erdgeschoss
Obergeschoss
Obergeschoss
Obergeschoss
Obergeschoss
Obergeschoss
Obergeschoss
Obergeschoss
Obergeschoss
Obergeschoss
Obergeschoss
Obergeschoss, Wasch- und Toilettenraum
Obergeschoss, Wasch- und Toilettenraum
Dachboden
Dachboden

Gebäude im Jahr 1983 sowie Abbau Wirtschaftsgebäude und Aufbau Kapelle 1988

Wirtschafts- sowie Wach- und Wohngebäude 1983
Wirtschafts- sowie Wach- und Wohngebäude 1983
Wirtschafts- sowie Wach- und Wohngebäude 1983
Wirtschafts- sowie Wach- und Wohngebäude 1983
Wirtschaftsgebäude 1987
Wirtschaftsgebäude 1987
Abbau Wirtschaftsgebäude 1988
Abbau Wirtschaftsgebäude 1988
Abbau Wirtschaftsgebäude 1988
Abbau Wirtschaftsgebäude 1988
Hergerichteter Platz für Aufbau Franziskus-Kapelle 1988
Hergerichteter Platz für Aufbau Franziskus-Kapelle 1988
Hergerichteter Platz für Aufbau Franziskus-Kapelle 1988
Hergerichteter Platz für Aufbau Franziskus-Kapelle 1988
Franziskus-Kapelle im Rohbau 1988
Franziskus-Kapelle im Rohbau 1988
Fertiggestellte Franziskus-Kapelle und Franziskushof Herbst 1989
Fertiggestellte Franziskus-Kapelle und Franziskushof Herbst 1989
Franziskus-Kapelle und Franziskushof Herbst 1991
Franziskus-Kapelle und Franziskushof Herbst 1991-
Franziskus-Kapelle und Franziskushof Herbst 1991
Franziskus-Kapelle und Franziskushof Herbst 1991
Wandgemälde im Flur ehem. Wachgebäude
Wandgemälde im Flur ehem. Wachgebäude

Im Südosten des Geländes befindet sich der ehemalige Lagerschuppen. Dieser wurde später zu einem Betriebsgebäude für die Geländebetreuung der Standortverwaltung umgebaut. Nach einigen Jahren Leerstand konnte das Gebäude im Jahr 2010 wieder einer Nutzung zugeführt werden. Teile des Geländes werden heute von einem Bogensportverein als Bogenschießanlage genutzt, auf dem Rest des Areals sind der Franziskushof sowie ein Abbruchunternehmen angesiedelt.
Aktuelle Fotos von Gebäuden und Gelände gibt es hier.

Letzte Änderung: 28.12.2010